Von: RB
ĂsĂ€s Hobby-Team 𫹠đ đ€«

Von aussen sah der Laden unscheinbar aus! Doch wenn man eintrat, wĂ€hrend man den schweren dunklen Vorhang beiseite schob, erhöhte sich schlagartig die Pulsfrequenz. Aus der Jukebox hinten links klang die Stimme von Gitarrengott Jimi Hendrix. Seine Steh-Blues-Nummer âHey Joeâ war unsere absolute Nummer 1.
Hier verbrachten wir unsere besten Jahre. Gefangen zwischen Herz â€ïž SchufflĂ€ â ïž EggĂ€ âŠïžund ChrĂŒz âŁïž âWĂ€nn vor lutĂ€r HaggĂ€+PokĂ€rĂ€, Molotov+Rumba, GuggitalĂ€r+Coiffeur, SchufflĂ€ â ïž Jass+ScalađQuarantaâ andere VergnĂŒgungen in Vergessenheit geraten, ist es Zeit ĂŒber die BĂŒcher zu gehen. Suchtopfer sind in solch heiklen Situationen oft auf sich alleine gestellt. Ein Ausweg aus der Sackgasse scheint fast unmöglich. Da ist jede Hilfe willkommen.
âSchtatt Ă€nand immĂ€r numĂ€ dâChölĂ€ đ¶ abneh, gömmĂ€r zĂ€mĂ€ go tschuttĂ€â. Die Idee schien genial. War sie auch umsetzbar? Schliesslich brauchte es einen Verein, der diese schwer zu integrierenden Querulanten bei sich aufnahm. Als der FC Kreuzlingen sein EinverstĂ€ndnis signalisierte, war der Weg frei. Jetzt musste nur noch ein passender Name gefunden werden.
FC Kafi SunnĂ€hof wĂ€re eigentlich auf der Hand gelegen, hatten doch die meisten âObdachlosenâ im Sonnenhof Nummer 6 ihre Bleibe gefunden. Bis auf die Matratzen war dort alles vorhanden. Als man davon ausgehen musste, dass der OFV diese Bezeichnung ablehnen wĂŒrde und weil das âStarensembleâ nicht gerade mit Ausnahmetalenten gesegnet war, entschied man sich fĂŒr den Begriff âHobbyteamâ, der dem Ganzen einen Anstrich von Andersartigkeit geben sollte.
Leider hat man es damals versĂ€umt, ein Tagebuch zu fĂŒhren. Es hĂ€tte ein Bestseller werden können, nur schon der illustren Köpfe wegen. Leute die beim Jonglieren MĂŒhe hatten, das Leder mehr als zweimal in der Luft zu halten, wollten unbedingt einen Spieler-Pass beantragen. Plötzlich war den Jungs bewusst, dass âchĂ€rtlĂ€ allaiâ nicht das Evangelium sein konnte. Eine neue Manie war ausgebrochen.
Mit einem fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse revolutionĂ€ren 4-3-3 ging es zum ersten Freundschaftsspiel âgegĂ€ sâZweiâ! In der Kabine war ein Hauch von Aufbruch zu spĂŒren. Auf der Tafel hatte der Coach im Stile âTrappatoniâ jede Position mit Namen besetzt. Die Startelf durfte sich durchaus sehen lassen đ Vor FliegenfĂ€nger RB sollte das Bollwerk Teacher-Gaccioli-Iller-Schuhmake fĂŒr defensive StabilitĂ€t sorgen.
Perfekt aufeinander abgestimmt war das Mittelfeld! Luciano SchĂŒepp rackerte, Heinz Ruppli dirigierte und RenĂ© Maier schaute zu. Der Angriff war das PrunkstĂŒck! Berni Veit dribbelte sich mal fĂŒr mal in gegnerischen Beinen fest, Bruno Wacker alias BrĂŒnette wartete vergeblich auf die Flanken und Linksaussen Kurt Meier, der in Anlehnung an brasilianische Ballzauberer den Spitznamen âBanquetteâ bekam, sah keinen Ball.
Fast noch hochkarĂ€tiger war die Ersatzbank bestĂŒckt. Die Jungs hatten eines gemeinsam. Sie hatten ihre Kickstiefel vorsichtshalber auf dem Flohmarkt ersteigert. Nun wollten sie die âFinkenâ einlaufen und machten sich fĂŒr einen Teileinsatz bereit. Die Namen findet man heute noch auf www.hall-of-fame.comâ. Hier sind sie nochmals in bunter Reihenfolge! DĂ€ Soppi, dĂ€ Bruno und dĂ€ Willi Meier,, dĂ€ Wisi, dĂ€ Geni und dĂ€ Pölv!
Dass die Partie am Ende nur 5:3 fĂŒr unsere âIntimfeindeâ ausging, liess die Euphorie in den siebten Himmel wachsen. Bereits war von Durchmarsch die Rede. SpĂ€testens da hĂ€tte ich auf die Bremse treten mĂŒssen. Dann kam Wittenbach! Ein trĂŒber Sonntagmorgen im August 1980! Im Sanktgallischen nieselte es! Kaum ein Supporter war mitgereist. Nur Rolf und Dog harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als Neuling in Liga 5 waren wir anfangs noch leicht desorientiert. Nachdem man Vorstopper Iller noch rechtzeitig aus der âNachtschichtâ geholt hatte, pfiff der Schiri die Partie an.
Es sollte ein Desaster werden. Als uns Geni auf Pass von Bruno W. aus heiterem Himmel in FĂŒhrung schoss, und wir uns bereits in den Armen lagen, entschied der Schiri auf Abseits. Anschliessend sind wir nie mehr ĂŒber die Mittellinie gekommen. Nicht genug! Beim Stande von 0:10 flog dem bemitleidenswerten Schreiberling ein Seitfallzieher direkt an den Kopf. Böse Zungen behaupten, dass die Nachwehen noch heute zu spĂŒren sind.
Am Ende hiess es 0:14. In der Umkleidekabine herrschte Totenstille. Als RenĂ© das Wort ergriff und von â liĂ€ber grad ufhörĂ€â sprach, schienen alle still vor sich hin zu nicken. Doch zum GlĂŒck kam es nicht so weit. Wie sich spĂ€ter herausstellen sollte, hatte man im Eröffnungsspiel den hĂ€rtesten Brocken erwischt. Die Wittenbacher wurden mit Abstand Gruppensieger.
Nach und nach begann sich das Hobbyteam zu festigen. Einige erkannten die Zeichen der Zeit und hĂ€ngten ihre Schuhe an den Nagel. DafĂŒr kamen neue âCracksâ dazu, die nur noch ihrem Hobby frönen wollten. Unvergessen bleibt das Derby gegen den FC Emmishofen.
Mit Renato Petrillo, Nunzio Padula, Mobby Sahli, Hans Pfister, Luciano SchĂŒepp, Heinz Aklin, Remo Hirzel, Armando Pedron, Davide Brocca, Andy Hermann und Ex-Bundesligaprofi Hanjo Weller standen gleich elf HochkarĂ€ter auf dem Rasen. Drei von ihnen pochten vehement auf die sagenumwobene Nummer đ. Auf der Ersatzbank durfte niemand Platz nehmen, weil Coach âTrappatoniâ bei einer allfĂ€lligen Auswechslung nicht mit einem Mann weniger auskommen wollte.
Dass dem âBarbier von Seldwylaâ alias Tanino Liotta wegen seiner unerwarteten Verbannung auf die TribĂŒne die Sicherungen durchbrannten, kann der Coach 45 Jahre spĂ€ter nachvollziehen. Genauso wie das PhĂ€nomen mit den Spielerfrauen, die um die Stimmung am Mittagstisch zu retten, Sonntag fĂŒr Sonntag in die Mannschaftsaufstellung eingreifen wollten! Man hatte es nicht leicht mit seinen Pappenheimern.
An dieser Stelle darf die Partie auf dem idyllischen Fussballplatz hoch ĂŒber Steckborn nicht unerwĂ€hnt bleiben. In Starbesetzung angetreten, lagen wir gegen die heimische Freizeittruppe zur Pause 1:6 zurĂŒck, ehe sich Marco van Basten alias Andy Hermann auf seine wahren StĂ€rken besann und sechsmal hintereinander zum Schlussresultat von 7:6 einnetzte.
Dass uns im Winter 1981 in der Kantonsschulturnhalle die ehemalige Gladbach-Legende GĂŒnter Netzer seine Aufwartung machte, ist eine der vielen Anekdoten, die unvergessen bleibt. HĂ€tte ihn unser Rolf nach einer eingesprungenen GrĂ€tsche nicht von den Beinen geholt, wĂ€re er von mir höflich angefragt worden, ob er nach Mönchengladbach, Real Madrid und GC seine Karriere im Hobbyteam ausklingen lassen wollte. Nach Herrn Weigels Intervention war die Sache allerdings erledigt. SpĂ€ter erfuhr ich, dass nicht mal Katsche Schwarzenbeck so âsanftâ mit ihm umgegangen sei.
Als wir schliesslich in die 4. Liga aufstiegen, ahnte niemand, dass es der Anfang vom Ende war. Gerade noch hatten wir im Globetrotter mit Erdbeer-Daiquiris den Aufstieg gefeiert. Dass wir damals am Hauptzoll nicht festgenommen wurden, ist mir heute noch ein RĂ€tsel. Spassvogel âLupoâ hatte uns mit seinem Sondereinsatz das Leben gerettet. Wehwehchen da, Absagen dort, auf einmal war die Luft draussen. Die Mannschaft löste sich in ihre Einzelteile auf. Zumindest auf dem Rasen. Denn neben dem Platz lebte das Hobbyteam weiter.
Jahr fĂŒr Jahr stand ein Abstecher in die grosse weite Welt auf dem Programm. Anfangs bewegte man sich in der nĂ€heren Umgebung. Reiste mit der Bahn nach DĂŒsseldorf, Amsterdam, Hamburg und Wien. âĂm BĂ€rĂ€mĂ€xâ fiel die dankbare Aufgabe zu, vorsichtshalber die Zug-Abteile auszumessen und die passenden Jasstische zu besorgen. Von Konstanz bis DĂŒsseldorf war man im Dauer â„ïžâ ïžâŠïžâŁïž Einsatz. In Offenburg gingâs zwischendurch auf dem Bahnsteig weiter. Von der vorbeiziehenden Kulisse sahen wir leider nur sehr wenig. Der Spielteufel hatte uns fest im Griff.
Mit Prag, Barcelona, Neapel, Cancun, Havanna, Isla Margerita, Ibiza, Warschau, Budapest, Rio de Janeiro, Helsinki, Kopenhagen, Dresden, Hongkong, Mallorca, Las Vegas, New York, Berlin, Madrid, Lissabon, Miami, Athen, Istanbul, Bangkok und und und sind es inzwischen ĂŒber 40 Destinationen geworden. Unser Rocco Ciriello hat die unzĂ€hligen SchnappschĂŒsse auf seiner Blogseite wunderbar dokumentiert. Zehn Jungs von der Sorte âharter Kernâ sind aus der GrĂŒnderzeit ĂŒbriggeblieben. Der Rest hat sich zurĂŒckgezogen und einige, die in irgendeiner Form mit âĂ€m SunnĂ€hofâ oder Ă€m âHobbyteamâ verbunden waren, sind leider viel zu frĂŒh von uns gegangen.
Heinz Ruppli, Adrian Goldinger, Remo Hirzel, Garry Schranz, Willi Meier, RenĂ© Maier, Hampi Beyeler, Christian Forster, Alois Kressibucher, Eugen Gremli, Armando Pedron. Falls es im Jenseits zu einem Revival gekommen ist, dĂŒrfte es an Geschichten von damals nicht gemangelt haben. Als âKompaniechalbâ wĂ€re nur einer in Frage gekommen. RenĂ©, wir schmunzeln đ noch heute, wenn du uns deine âRĂ€ubergeschichtenâ erzĂ€hlst.âŠ.